Politik ohne Sinn und Verstand

Ein Gastbeitrag zur Fahrradstraße/Badstraße in Heilbronn von Frank Schmidt:

Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf„, sagte Theodor Fontane einst. In Heilbronn scheint das Phänomen „Fahrradstraße“ gerade angesagt zu sein.
Prinzipiell kann ich an Fahrrädern nichts nachteiliges feststellen: Sie halten den Passagieren fit, erzeugen keine Abgase, sind günstig in Anschaffung und Unterhalt und obendrein im Betrieb sehr leise. Mir ist aus unzähligen Feldversuchen auch bewusst, dass Fahrradfahren umso mehr Spaß macht, je mehr man als Radler sein eigenes Hoheitsgebiet, sprich Radweg, beanspruchen kann, nicht zuletzt ist dies auch ein wichtiger Sicherheitsaspekt.
Eine wachsende und florierende Stadt braucht ordentliche Verkehrswege und neben den Straßen für Autos gehören separierte Radwege einfach dazu.

Dies alles wurde berücksichtigt, als man die Erwin-Fuchs-Brücke und die Badstraße damals baute. Es gab Platz für Autos, sowie eigene Fuß- u. Radwege, fein säuberlich von einander getrennt. Diese intellektuelle Glanzleistung wurde im Übrigen erbracht, ohne speziell ein mehrköpfiges Team von Fahrradstraßenarchitekten bei der Stadt beschäftigt zu haben.
Es ist absolut unverständlich, warum sich dies 2011 mit der Einführung der Ersten Fahrradstraße Heilbronns ändern musste. Seither wird mit viel Mühe, Einsatz und Geld versucht eine bescheidene Idee zu forcieren, die leider nur Unmut und eine dauerhaft schwellende Konfrontation zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmer gebracht hat. Warum wird hier nun versucht, Autofahrer gegen Fahrradfahrer, Fahrradfahrer gegen Fußgänger auszuspielen?

Die Umtitelierung von weiten Teilen der Badstraße ist und bleibt nicht nur unnötig, sondern grob fahrlässig. Die Zufahrt zum Frankenstadion als Veranstaltungsort, der Theresienpark und das Einkaufszentrum samt Liefer- u. Kundenverkehr und zukünftigem Unternehmenssitz von Kaufland Deutschland sind wichtige Strecken für Autos und LKWs. Zählungen bescheinigen, dass diese motorisierten Fahrzeuge nicht einfach verschwinden, ja sogar immer noch mit Recht dort verkehren und in der vielfachen Überzahl sind. Und die Fahrräder? Angewidert von den Autos, wird auf die Fußwege ausgewichen oder man wird gegängelt und überholt auf der eigentliche Fahrradstraße.

Was also tun? Zum einen, könnte man alles so zurückbauen wie es war: eine lange, durchgängige Fahrradstraße entlang des Neckars auf dem einst dafür angelegten Radweg und analog dazu die Badstraße wieder den Autos und dem Lieferverkehr überlassen. Es wäre weise, aber im Widerspruch zur eingeschlagenen Politik. Also zum anderen: die Idee der Fahrradstraße weiter durchprügeln:

Die dieses Jahr geplante Offensive zur Verlängerung der Badstraße würde ich als eine Fortsetzung des Wahnsinns bezeichnen wollen, wie folgende Vorstufen zeigen:

  • Wieder wurde viel Geld ausgegeben, um Fahrradständer auf die Badstraße zu montieren, wo sich etwa 10m von der Straße entfernt eine Freifläche von 2500m² angeboten hätte.
  • Werden Parkmarkierungen weggefräst und um 50 cm auf die Straße verlegt.
  • Parkstreifen werden unterbrochen und wechselseitig auf der Badstraße verteilt.
  • Werden neue Fahrradstraßenmarkierungen und Schilder gesetzt.

Wozu? Das Zauberwort heißt „natürliche Verkehrberuhigung“. Der (Auto-)Verkehr bremst unweigerlich ab, die Geschwindigkeit wird reduziert und es bietet sich weniger an, diese Straße als Autofahrer zu nutzen. Das ist legitim und die Vorstufe zur Installation von Blitzern und Verkehrskontrollen.

Bis zu dem Moment, wo bei einer Großveranstaltung eine Panik ausbricht oder Sicherheitskräfte von Böckingen einrücken müssen, was leider nicht mehr möglich sein wird, da fest montierte Metallgestänge und wechselseitig parkende Autos den Weg versperren werden.
Bis zu dem Moment, wo verschreckte Radfahrer wieder auf den alten Radweg nun Fußweg ausweichen werden.
Bis zu dem Moment, wo man sich fragt, warum die einst bestehenden Verkehrsnetze um Gedeih und Verderb umgenutzt werden müssen, damit bei anderen Projekten das Geld fehlt?

Als Autofahrer, halte ich das Projekt für blanken Hohn mit dem Potential das die Böckinger Brücke einmal die teuerste Fahrradzuleitung der Welt wird.

Als Fahrradfahrer fände ich eine verkehrsberuhigte Fahrradstraße in der Badstraße schön, aber nur minimal verbessert zu dem was ich vor 2011 schon hatte. Dagegen ist die Situation für Radler außerhalb der künstlich angelegten Refugien eine Katastrophe und die Frage geht daher, warum bei Neubauten (z.B. Allee) kein Geld für eine vernünftige Integration von Radwegen da war? Vielleicht in der Badstraße verpulvert?


Bitte beachten Sie, dass Leserbeiträge nicht die Meinung des Bloggers wiedergeben müssen…

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